ES IST NICHT EINFACH - ABER WIR BLEIBEN!
26. Sep, 2021
par Michi Kunz
Die neue Situation ist äusserst herausfordernd – in vielerlei Hinsicht. Den neuen Machthabern gelingt es äusserst schlecht, die verschiedenen Ministerien und die Regierungsgeschäfte zu führen. Viele grundlegende Funktionen und Dienstleistungen der Regierung werden nicht mehr erbracht. Täglich stehen wir mit unseren lokalen Partnern vor neuen Herausforderungen. Im September war es uns nur durch die Nutzung von „Vertrauenspersonen“ möglich, Geld nach Afghanistan zu senden, um unsere Projekte weiter führen zu können. Wir hoffen, dass wir im Oktober wieder wie gewohnt die Zahlungen an unsere lokalen Partner vornehmen können. Das ist wichtig, da wir vor dem ersten Schneefall unsere zahlreichen Gesundheitseinrichtungen mit Medikamenten versorgen müssen, um durch den Winter zu kommen. Aufgrund einer erhöhten Gefahrenlage für die Kinder in unseren Waisenhäusern haben wir diese für eine Weile lang in Privathaushalte untergebracht. Wir haben nun aber entschieden, die Kinder wieder zurück zu holen, damit sie wie gewohnt in die Schulen gehen können. In unseren erstellten Schulen in den Provinzen Ghazni, Daykundi und Bamyan dürfen die Mädchen aber nur noch bis zur 6. Klasse zur Schule gehen. In Khost und Paktia hingegen besuchen die Mädchen die Schulen bis zur 9. Klasse. Wir hoffen, dass wir diese Regelung mit getrennten Einrichtungen auch in Zentralafghanistan erreichen können.
In den einzelnen Projektgebieten erreichen uns immer wieder besorgniserregende Meldungen von Drohungen und Diskriminierungen - insbesondere gegen der Minderheit der Hazara, gegen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer lokalen Partner, gegenüber Journalisten und ehemaligen Regierungsvertretern und gegen Frauen und Mädchen. Auch spüren wir eine grosse Angst und ein grosses Misstrauen gegenüber den neuen Machthabern. Viele Menschen versuchen zu flüchten – innerhalb des Landes, nach Pakistan oder in den Iran oder in ein westliches Land. Es ist nicht einfach, in dieser Situation unsere zahlreichen Projekte weiter zu führen. Wir haben uns aber entscheiden, zu bleiben, um den Menschen weiterhin unsere so wichtige Hilfe anzubieten. Hierfür suchen wir den Austausch mit den Taliban. Das ist kein leichtes Unterfangen – aber aus unserer Sicht ist es der einzige Weg, die Projekte weiter führen zu können. Zur Zeit laufen alle unsere Hilfsprojekte weiter – darüber freuen wir uns. Und wir hoffen, dass das so bleibt.
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